Unterrichtliche Prinzipien
- Einige wesentliche unterrichtliche Prinzipien werden in der Waldorfpädagogik anders gegriffen als dies die traditionelle Lehre vermittelt, wobei es auch dort zu einem Umdenken und im Ansatz auch zu Veränderungen kommt.
Besonderheiten der Waldorfpädagogik:
- Die Kinder werden nicht nach Begabung gesondert und der Klassenverband bleibt fast die gesamte Schulzeit hindurch stabil.
- Es gibt kein Sitzenbleiben oder Leistungsdruck durch verfrühte Notengebung - stattdessen erhalten die Schülerinnen und Schüler einmal im Jahr ein ausführliches Textzeugnis, das individuelle Fortschritte in der Persönlichkeitsentwicklung und den Lern- und Erkenntniszuwachs beschreibt.
- Gemeinsames Lernen soll die Schülerinnen und Schüler zu wechselseitiger Rücksichtnahme und sozialem Miteinander befähigen.
- Individuelle Begabungen, Fähigkeiten, Entwicklungen werden wahrgenommen und gefördert.
- Künstlerische, sprachliche, musikalische und handwerkliche Elemente wirken zusammen zur Förderung von Denken, Fühlen und Wollen ("Kopf, Herz und Hand").
- Die Unterrichtsinhalte gehen auf altersgemäße Entwicklungsschritte ein und werden altersgemäß vermittelt.
- Die Anknüpfung an die kindlichen Nachahmungskräfte und die bildhaft-anschauliche Vermittlung der ersten Schuljahre gehen über in ein abstrahierendes Wesen und die Gesetzmäßigkeiten der Dinge erfassendes Denken und Förderung der eigenen Urteilsbildung.
Gliederung der Schulzeit
Klassenlehrerzeit (Unter- und Mittelstufe)
In den Klassen 1-8 unterrichtet ein(e) Klassenlehrer/in in der Epoche (d. h. den ersten beiden Stunden des Tages) die Klasse in den meisten Unterrichtsfächern und übt und fördert in weiteren Fach- und Übstunden.
Er kennt die Kinder, ist die Halt und Orientierung vermittelnde Autorität und pflegt einen besonderen Kontakt zum Elternhaus.
Er ist der Garant für Kontinuität in der Beziehung zum Kind und schafft den für die Entwicklung des Kindes und die Klassengemeinschaft wichtigen Rhythmus des Tages, der Woche, der Jahreszeiten. Er wird unterstützt durch Fachlehrer/innen.
Oberstufe
In den Klassen 9-12 übernimmt ein Klassenbetreuer den besonderen Kontakt zu den Jugendlichen. Sie/Er ist Fachlehrer/in und unterrichtet mindestens ein Fach in der Klasse.
Das Fachlehrerprinzip macht die unterschiedlichen Sichtweisen der Fächer und Fachwissenschaften deutlich. Im Vordergrund steht die Auseinandersetzung mit der Sache, aber die bewusste Begegnung mit verschiedenen Individualitäten soll die Jugendlichen zu einer freien geistigen Auseinandersetzung mit der Welt befähigen und ihre Urteilskraft entwickeln.
Abiturvorbereitungsphase
Nach Erreichen des mittleren Abschlusses in Klasse 11, und erfolgreichem Waldorfabschluss in der 12. Klasse, können die Schüler/innen sich auf die staatliche Abiturprüfung vorbereiten, die in Form des Zentralabiturs an unserer Schule abgelegt wird.
Besonderheiten des Stundenplans / Fächerkanon
Der Epochenunterricht in der ganzen Klasse

Die ersten beiden Unterrichtsstunden werden täglich als "Hauptunterricht" erteilt. Im drei- bis vierwöchigen Rhythmus wechseln die Epochenthemen, die jeweils einem Fach vorbehalten sind, aber auch fachübergreifende Aspekte enthalten können.
So ist ein intensives Eintauchen in eine Thematik und das wichtige Prinzip des "Lernens über Nacht" möglich. Ein Projekt kann so im täglichen Fortschritt in Ruhe wachsen.
- Der Unterricht selber gliedert sich rhythmisch: je nach Altersstufe in einen musikalisch-rhythmischen - spielerischen oder sprachlichen Einstieg, Erarbeitung, übende Elemente sowie einen Erzählteil als Ausklang, der Gefühl und Phantasie der Kinder aufleben lässt und die Verbindung zum nächsten Tag aufrecht erhält. Auch Zeichnen und Malen wird in den Hauptunterricht der Unter- und Mittelstufe integriert.
- Die Fächer Deutsch und Mathematik ziehen sich durch die ganze Waldorfschulzeit, das Fach Formenzeichnen, später Geometrie wird von der 1. bis zur 8. Klasse unterrichtet. Heimat- und Erdkunde sowie Biologie kommen ab Klasse 4 hinzu, Geschichte ab Klasse 5, Physik, Chemie und Ernährungslehre ab Klasse 6/7. Verbunden mit vielen außerschulischen Aktivitäten sind darüber hinaus eine Ackerbauepoche sowie die Hausbau- und Handwerkerepoche in der 3. Klasse.
Der Fachunterricht
An den Hauptunterricht schließen sich Stunden in Sprachen, Sport und musisch-künstlerischen oder handwerklichen Fächern an, die dauerhafter Übung und Erarbeitung bedürfen, in denen die Klassen in zwei oder drei Gruppen geteilt sind:
- ab Klasse 1:
- Englisch und Russisch
- Eurythmie, Musik
- evangelischer, katholischer, freier Religionsunterricht
- Handarbeit
- Spielturnen / Sport
- ab Klasse 5 kommen dazu:
- Plastizieren, Schnitzen
- Gartenbau
- Mathematik
- Chor / Orchester
Der Kursunterricht
Ab Klasse 8 wird in Nachmittagskursen (10-12 Schüler/innen) eine Vielfalt an praktischen Fächern erteilt. (Eine Pausenverpflegung und ein Mittagessen bietet unsere Schulküche unter Elternmitwirkung an.)
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Schmieden
- Kupfertreiben
- Gartenbau
- Kochen

- Tanzen
- Korbflechten
- Schreinern, Schnitzen
- Schneider
- Spinnen,Weben
- Compute
- Mikroskopieren
- Kleinkindpädagogik
- Buchbinden
- Feldmessen
Regelmäßige Projekte, Waldorfabschluss
- Chorarbeit / Orchesterarbeit / Theaterspiel
- Als fester Bestandteil des Lehrplans hat sich das Schauspiel der achten Klasse etabliert. In der 10. Klasse wird in der Regel ein englisches Schauspiel aufgeführt. Die ganze Klasse nimmt an diesen umfassenden Unterrichtsprojekten teil. Aber schon ab der 3. Klasse beginnt die Förderung der darstellenden Fähigkeiten u. a. mit dem Martinsspiel.
Ein Forstpraktikum wird in der 7. Klasse durchgeführt. Zwei Berufspraktika in der 10./11. Klasse bieten den Schüler/innen jeweils drei Wochen lang direkte Erfahrungen und Orientierung im sozialen, handwerklich- technischen und kaufmännischen Bereich.- Die Klassenfahrten ab der 5. Klasse stellen für die Klassengemeinschaft besondere Höhepunkte dar und entwickeln sich mit den Altersstufen: von Erlebnisfahrten in und außerhalb der Heimatregion (5., 6. und 7. Klasse) über die Feldmessfahrt mit Segeltörn in der 10. Klasse bis zur Kulturfahrt in der 12. Klasse.
- Größere Referate sind in der 8. Klasse vorgesehen. Die ausgiebige individuelle Beschäftigung mit einem Thema findet mit der Jahresarbeit in der 12. Klasse statt. Deren Präsentation besteht aus einem theoretischen schriftlichen, praktisch-künstlerischen und mündlichen Teil.
- Den Waldorfabschluss in der 12. Klasse bilden über die Jahresarbeit hinaus auch Abschlusspräsentationen in Eurythmie, Musik und in den bildenden Künsten.
Veranstaltungen

Zu einem lebendigen Organismus Schule gehören auch Feiern, Veranstaltungen und Feste. Neben den Klassenspielen gibt es eine Vielzahl von Gelegenheiten, an denen Eltern, Schüler und Lehrer zusammenkommen.
In vielfältigen Darbietungen präsentiert sich die Schule der Öffentlichkeit. Dazu gehören u. a. Bühnendarbietungen aus dem Unterricht, Johannifeuer, Sommerfest, Tag der offenen Tür, Weihnachtsbasar, Weihnachtsspiele, Chor- / Orchesterkonzerte, Vorstellung der Jahresarbeiten, künstlerische Abschlüsse der 12. Klasse. Veranstaltungen mit Gastkünstlern am Vormittag für die Schüler, oder am Abend für die ganze Schulgemeinschaft ergänzen das kulturelle Leben der Schule regelmäßig.
Abschlüsse und Zeugnisse
An der Waldorfschule Gladbeck können alle staatlichen Abschlüsse erlangt werden. Dazu gehören die Abschlüsse der Sekundarstufe I, der schulische Teil der Fachhochschulreife und die allgemeine Hochschulreife (Abitur). Die Schülerinnen und Schüler nehmen zur Erlangung der Abschlüsse auch an den zentralen Prüfungen des Landes Nordrhein-Westfalen teil.
Nach Beendigung der Waldorfschulzeit nach Klasse 12 erhalten die Schülerinnen und Schüler den Waldorfabschluss. Zeugnisse bis Klasse 12 werden in Gutachtenform erstellt. Notenzeugnisse gibt es zusammen mit den Textzeugnissen ab Klasse 11 und zum Abschluss der Schullaufbahn.
Fördermöglichkeiten
An der Waldorfschule Gladbeck gibt es über den Unterricht hinaus eine Reihe von Möglichkeiten auf Schüler und deren Probleme individuell einzugehen:
- Schulärztliche Begleitung (die Schule hat seit vielen Jahren einen eigenen Schularzt);
- Eigene Sprachfördermaßnahmen durch Sprachgestaltung in der Schule sind möglich;
- Zusammenarbeit mit dem Therapeutikum;
- In Planung: zusätzliche Fördermaßnahmen bei Lernschwierigkeiten.
Zusammenarbeit Eltern/Schule

Eine Schule in Selbstverwaltung ist auf die intensive Mitarbeit der Eltern angewiesen.
Neben dem pädagogischen Engagement der Eltern um die Kinder spiegelt sich dieses vor allem im Einsatz der Eltern im Vorstand und den verschiedenen Gremien der Schule, bei der Gestaltung und Pflege des Schulgeländes sowie bei der Erhaltung der Schulgebäude wieder.
Finanzierung
Bei einer Schule in freier Trägerschaft wie der Waldorfschule Gladbeck ist nicht nur das persönliche, sondern auch das finanzielle Engagement der Eltern gefordert. Da die Kosten der Schule nur zu ca. 80% vom Land übernommen werden, muss die restliche Summe von den Eltern aufgebracht werden. Die Entscheidung über die Aufnahme eines Kindes wird vom Lehrerkollegium zuvor nach pädagogischen Gesichtspunkten getroffen. Die finanzielle Situation der Eltern spielt dabei keine Rolle. Der Finanzkreis, bestehend aus Eltern der Schule, klären mit den neuen Eltern in einem persönlichen Gespräch die Höhe des Schulbeitrages.
Waldorf über Mittag - "WüM" (Offene Ganztags-Grundschule)

Seit dem Schuljahr 2006/2007 wird eine Betreuung über Mittag und in den Nachmittag hinein für Kinder der ersten vier Schuljahre angeboten, die neben Hausaufgabenbetreuung und Ruhezeit auch Freispiel und verschiedene Aktivitäten beinhaltet.
Daten zur Freien Waldorfschule Gladbeck
- in 2008:
- 14 Klassen mit 465 Schüler/innen aus 314 Elternhäusern
- 45 Lehrer/innen und Mitarbeiter/innen
- Schulbuslinien u. a. bis nach Dorsten, Oberhausen, Schermbeck, Herten, Marl-Polsum, Gelsenkirchen
- Einzugsbereich: Gladbeck, Gelsenkirchen, Bottrop, Kirchhellen, Marl, Schermbeck, Dorsten, Haltern, Herten, Oberhausen, Essen.
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