Waldorfpädagogik

Anders als alle übrigen Schulmodelle werden an der Waldorfschule, der ältesten Gesamtschule in Deutschland die Kinder vom 1. Schuljahr an bis zum Abitur auf der Grundlage des an der kindlichen Entwicklung orientierten Waldorflehrplans unterrichtet.

Vier eigene Schulbuslinien für alle Klassen sorgen für einen sicheren Schulweg des Kindes, weil lästiges Umsteigen entfällt.

In der Unter- und Mittelstufenzeit begleitet ein Klassenlehrer seine Schüler bis zum Ende des 8. Schuljahres, unterstützt von etlichen Fachkollegen. In der Klassenlehrerzeit lernt ein Kind von Beginn an ein Instrument; weitere obligatorische Fächer im 1. Schuljahr sind neben der Musik Handarbeit und Englisch als Fremdsprache (ab der 3. Klasse tritt Russisch hinzu). Bis zur 4. Klasse ist eine Betreuung durch "Waldorf über Mittag", genannt "WüM" (Offene Ganztagsgrundschule), möglich.

Ab der 5. Klasse treten weitere künstlerisch-handwerkliche Fächer zum Stundenplan hinzu wie Schnitzen und Gartenbau. Eine geregelte Hausaufgabenbetreuung für die 5./6.Klasse mit der Möglichkeit eines Mittagessens ist ebenfalls möglich. Das Klassenlehrerprinzip hat den Vorteil, dass eine vertraute, dauerhafte Bezugsperson für die Schüler Bindungsfähigkeit ermöglicht. Der Klassenlehrer wiederum lernt seine Schüler immer besser kennen und kann individuell auf ihre Stärken und Schwächen eingehen.

Da eine Trennung der Kinder nach Leistung oder Begabungen, was sonst nach der 4. Klasse üblicherweise in die verschiedenen weiterführende Schulen führt, entfällt, und es auch ein Sitzenbleiben nicht gibt, kann sich jedes Kind in der Klassengemeinschaft seinem Alter gemäß in Ruhe entwickeln. Für die Eltern schließlich entfällt die Qual der Wahl einer anderen Schulform, da auch alle relevanten Abschlüsse an der Waldorfschule vergeben werden.

Neben dem Hauptschulabschluss erhält man nach Abschluss der 11. Klasse und bestandener Prüfung den Realschulabschluss bzw. den Abschluss der Fachoberschulreife. Nach dem Projekt einer Jahresarbeit und einem praktisch-künstlerischen Abschluss erwirbt man am Ende der 12. Klasse den Waldorfabschluss, der den Besuch der 13. Klasse zum Erwerb des Zentralabiturs ermöglicht.

Leider sind die öffentlichen Mittel für Waldorfschulen wesentlich niedriger als die Mittel, die das Land für Regelschulen aufwendet, so dass man auf Elternbeiträge angewiesen ist. Diese werden im gemeinsamen Gespräch den finanziellen Möglichkeiten der Eltern entsprechend festgelegt. Das Prinzip der Waldorfschule ist es, kein Kind aus finanziellen oder religiösen Gründen abzulehnen.

Martin Wandersleb
Lehrer

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